Samstag, 15. September 2007

Vers- und Bildteil 1

Vers- und Bildteil 1


Toba Sojo und die alten Rollenbilder

Der Frosch, das weiß man lange schon

Saß einst in Japan auf dem Thron.

Dem nicht genug, er stellte gar

zu jener Zeit Gott Buddha dar.

Auf alten Dokumenten schildern

Chronisten dies auf Rollenbildern.*1

1. Als erster taucht im Dauerlauf

ein Frosch auf diesen Rollen auf.

Der hatte, das sei hier gesagt,

am Teiche oft zu laut gequakt.

Weil ihm nach Reue stand der Sinn

lief er flugs zum Tempel hin

um zu Buddha dem Propheten

ein paar Worte schnell zu beten.

2. Doch siehe da, welch übler Spott,

seinesgleichen saß als Gott

im Tempel auf dem Lotosthron

askesetrunken morgens schon.

Und was schließen wir daraus ?

Die Andachtstunde sie fiel aus!

3. Da spannt der Frosch den Wagen ein

und mit dem Affen im Verein

reist man im Hinayana

hinüber nach Nirwana

zum Fest der der wilden Tiere,

gezogen von dem Stiere.

Dort auf dem Fest, da geht's hoch her

wovon ich gleich berichte mehr.

Die Bildrolle, nun aufgerollt

zeigt uns wie sich das Froschvolk trollt.

4. Zwei Grüne, heiter, froh im Sinn,

legen einen Froschtanz hin.

5. Was sie können: Turnen, springen,

6. spielen, albern, lachen, singen,

machen uns die Frösche vor,

auf ihrem Fest in Nippons Moor.

Gezeichnet hat so lebensfroh

die Lurche uns Toba-sojo,

ein Mönch, der einst im Kloster lebte

und nebenbei zu zeichnen pflegte.

In hintergründiger Manier

hat er satirisch dargestellt,

mit scharfen Strichen auf Papier,

der Buddhisten-Frösche Welt.

7. Da kämpfen auf dem grünen Rasen

die Frösche gegen einen Hasen.

Bei diesem tierisch ernsten Krieg

erzwingt das Froschtrio den Sieg.

8. Auf den Folgebildern dann,

legt ein Frosch erneut sich an

mit Hasen und dem Fuchs sogar.

Der Frosch erneut erfolgreich war.

9. Er traf beim Schuss auf's Lotosblatt.

Selbst Meister Reinicke war platt.

Mitten im Schwarzen saß der Pfeil,

worauf dem Frosch wurd' Neid zuteil.

Was deutet Toba-sojo an ?

"Dass auch der Schwache stark sein kann?"

Historiker fanden darin

mancherlei an Doppelsinn.

"Sozialsatire" meinen sie,

gegen die Aristokratie,

deren Niedergang sie sehen.

Bisher ist das nicht geschehen.

Wir wollen unser'n Blick nun richten

auf die nächsten Bildgeschichten.

Auf dem büttenen Papier,

als nächste Folge ein Turnier.

10. Frosch und Hase seh'n wir dort

die den Eber treiben fort.

Mit dem Lasso eingefangen

ist es wohl darum gegangen

mutig schnell ans Werk zu schreiten

um den Keiler zuzureiten.

Dass das wilde Tier entsprungen

und der Ritt auf ihm misslungen

wird im nächsten Bild skizziert.

11. Der Frosch liegt flach und ist blamiert.

Der Eber hat ihn umgerannt

bevor er ihm ist durchgebrannt.

Die andern spotten, in der Tat

jenen der den Schaden hat.

Da ist der Grüne aufgewacht.

Springt auf! Wütend und aufgebracht

nimmt er sich die Spötter vor.

Den ersten beißt er in sein Ohr.

Der Hase denkt: "Ich muss verrecken"

und schreit als würd' am Spieß er stecken.

12. Doch da eilen schon herbei

Hasenkumpel deren zwei,

retten den Freund aus seiner Not,

gerad' noch recht, bevor er tot.

Was die Satire stellte dar

ist uns heute nicht recht klar,

zumal aus Europäer-Sicht

verstehen wir die Bilder nicht

die gemalt so einfallsreich

im frühen Japan-Kaiserreich.

Achthunderfünfzig Jahre bald

sind die Bildfolgen schon alt.

Wir sehen, dass mit Meisterhand,

der Mönch zu zeichnen einst verstand.

13. Der nächste Frosch, mit Bambusrohr *2

kommt sich wohl sehr wichtig vor.

Aufrecht schreitend, so ist er

14. hinter jener Geisha her,

die im nächsten Bild sich zeigt.

Ihr wäre er gern zugeneigt..

Dass die Dame ihn erhört

nachdem der Dicke sie betört

zeigt das Folgebild uns dann.

15. Er hat die Pantoffeln an.

Wir richten unser Augenmerk

nun auf das letzte Zeichenwerk.

Den Affen können wir vergessen.

Der arme Kerl hat nichts besessen

außer einer Zipfelmütze

und 'nem Zweig der zu nichts nütze.

16. Doch der Frosch am linken Rand

trägt zu seinem Froschgewand,

wie es damals war schon Brauch

einen Obi um den Bauch.

Wer genau hinschaut entdeckt,

was unter diesem Gürtel steckt.

Ein Knebel, der aus Holz gemacht

und zum Anhängen gedacht.

Daran im Sagemonostil

befestigt jenes Utensil

das jeder Froschmann bei sich hat,

ein großes grünes Lotosblatt.

Was dolchförmig im Obi steckt

erfüllt wie Netsuke den Zweck,

nur ist es weniger bekannt.

Es wird Sashi kurz genannt.

Netsuke-Erläuterung

Womit wir schon beim Thema sind:

Netsuke, das weiß jedes Kind

im fernen Japan einst entstand

mangels Taschen im Gewand.

Man trug mit sich Sagemono

am Stoffgürtel des Kimono.

Damit man diese nicht verliert

wurd' das Knebelholz kreiert.

Mit etwas Schnur und einem Dreh

saß sicher nun das Yatate.

Auch Inro und den Kinchaku

trug man bei sich nun immerzu.

Tabak und Pfeifenetui

hing auch am Obi, vis avis.

Das Netsuke, darauf kam's an

befestigte den ganzen Kram.

"Ne" übersetzt heißt Wurzelholz,*3

"am Faden hängen" tsuke, stolz

hängte bald sich jedermann

Netsuke an den Gürtel an.

Von Künstlerhand gekonnt geschnitzt.

Das Monogramm dazu geritzt

gab dem Kleinod seinen Wert,

der es heut' macht so begehrt.

Daraus folgert, klarer Fall,

dass man es sammelt überall.

Aus edlem Holz, geschnitten fein,

aus Horn, Perlmutt und Elfenbein.

Aus Schildpatt, Lack und Porzellan.

Netsuke hat es angetan

so manchen Sammler auf der Welt,

obgleich es kostet heut’ viel Geld.

Auch ich, das muss ich eingesteh'n,

als ich Netsukes hab' geseh'n,

geschnitzt so fein und filigran,

war davon sofort angetan.

Ich samm'le seitdem, doch Kopie.

Die echten gibt's bei Sotheby.

Am besten hat mir gleich von allen

der Gama Sennin einst gefallen.

Ono no Tofu nebenher

hat begeistert auch mich sehr.

Frosch und Kröte sowieso

made in Japan, Tokyo.

Aus diesem Umfeld lasst uns nun

'nen Blick auf das Netsuke tun.

Doch zuvor, das muss wohl sein,

geh' ich nochmals kurz d'rauf ein

wie das Nets'ke wird getragen

um vorzubeugen allen Fragen.

Dass auch der Laie es versteht

um was es beim Netsuke geht,

hab' ich es kurz aufskizziert

damit es auch begriffen wird.

17. Die Skizze zeigt am ob'ren Rand

das Nets'ke über einer Hand.

Hinter den Gürtel so gesteckt,

dass man sieht was es bezweckt.

Am Knebel, hier ein Frosch auf Blatt,

befestigt was man bei sich hat.

Das Inro, auch im Frosch Design,

mit Pillen gegen Zipperlein,

hängt an den Kordeln, dort getragen,

wo wir die Hosentaschen haben.

Die Ojime- Kugel, das wird klar

bündelt schlicht das Kordelpaar.

18. Die zweite Skizze wohlbedacht

hab' zur Erläuterung ich gemacht,

denn ich will es nicht versäumen

letzte Zweifel auszuräumen.

Sie zeigt ein Netsuke mit Band

das Obidome wird genannt.

Auf den Kordeln oder Litzen

zwei Frösche als ein Ojime sitzen.

Als Miniatur geschnitzt figürlich

winzig, beinahe schon zierlich,

bündeln beide Bauch an Bauch,

zweckgemäß die Kordeln auch.

Darunter hängt die Pillendose,

in unserem Fall 'ne ziemlich große.

Der Frosch darauf ist euch vertraut;

von Toba-Sojo her; geklaut.

Die Dose wird, was längst bekannt,

als Anhängsel Inro genannt.

Das Wort das rechts davon geschrieben

in Lettern groß, fast übertrieben,

ich hoffe dass es mir gelinge,

heißt übersetzt schlicht „Hängedinge“.

Gemeint kann hier so manches sein...

und manches fällt mir dazu ein.

Das Yatate', was Schreibzeug heißt

dem Europäer hier beweist,

dass selbst in Japan jedermann

lesen und auch schreiben kann.

Mit dem Sagemono Kinchaku

ist man ebenfalls per Du,

vorausgesetzt, dass Kröten drin

die ihm geben erst den Sinn.

Das Kitzerazutsu noch zu nennen

das wir als Pfeifenbeutel kennen;

und das Tonkotsu, jener Sack

für Tabak.

All die Dinge, die genannt

machte ich euch nur bekannt,

weil, das lässt sich nicht verdrängen,

sie alle fest am Nets’ke hängen.

Um auch dies noch klarzustellen;

ein Wurzelholz in manchen Fällen

trug Sagemono's zwei, gar drei.

Dem Nets'ke war das einerlei.

Wir wollen all das schnell vergessen.

Was schert's uns was die Leut' besessen.

Für uns bleibt eines interessant,

nur das Ding das letztgenannt.

19. Dieses Ding, vergrößert hier,

genannt Netsuke, sammeln wir.

Das Obidome in Rechteckform

weist auf 'ne Froschabbildung vorn'.

Ono no Tofu, eine japanische Legende.

Der Frosch stellt Ono no Tofu dar,

der ein bekannter Künstler war.

Zwei Kaisern durfte er einst dienen.

Als Hofbeamter half er ihnen

das Reich zu führen, zu verwalten

und lebenswert es zu gestalten.

Korrekt war er und jederzeit

zu Überstunden auch bereit.

Anerkennung gab es nie.

So blieb er in der Hierarchie,

nach den Jahren all den langen,

unten wo er angefangen.

Er hat malocht bis in die Nacht

im Schweiße seines Angesichts;

manch langen Tag am Hof verbracht

doch aus Beförderung wurde nichts.

Er schuftete das Kreuz sich krumm

bis eines tat’s es ihm zu dumm,

er verärgert und verdrossen,

zur Kündigung war fest entschlossen.

Nicht einen Tag mehr wollt' er bleiben.

In der Hand das Kündigungsschreiben,

machte er sich auf den Weg..;

Als am Teiche er vom Steg,

vor sich im Wasser ziemlich nah, einen Frosch auftauchen sah.

Dieser mühte sich im Sprung

einen Weidenzweig zu fischen.

Doch mangels Kraft und mangels Schwung

konnt' er diesen nicht erwischen.

Der Frosch war zäh, er gab nicht auf.

Immer näher im Verlauf

der Sprungversuche kam sein Ziel.

Beim siebten Hupf fehlte nicht viel.

Beim achten Sprung hatte der Frosch

den Zweig tatsächlich in der Gosch'.

Dran ließ er sich ins Wasser sinken

um auf den Erfolg zu trinken.

20. Ono no Tofu, wissentlich

nahm diesen Frosch zum Vorbild sich,

denn er zog daraus den Schluss.

"Geduld ist's die man haben muss".

Vergessen, so erzählt die Sage

war die leid'ge Kündigungsfrage.

No Tofu hat es weit gebracht

nachdem er's wie der Frosch gemacht.

Mit Geduld und Spucke nun,

und ohne sich lang' auszuruh'n,

bracht' er's am Hof zu Ehr' und Rang.

Sein Name hat selbst heut noch Klang.

Er wurd' berühmt als Kalligraph

der alle andern übertraf.

In Japan heute illustriert,

er so manches Schulbuch ziert,

aufzuzeigen jedermann,

wie man's zu ‘was bringen kann.

Auch in der Kunst da ist er wer.

Stets dargestellt als feiner Herr

mit dem Schirm in seiner Hand,

manchmal gar im Froschgewand.

Weil wir nicht mehr davon lassen

uns mit Nets'kes zu befassen

und weil das Lurch/Kappa- Motiv

wir behandeln exklusiv,

muss ich euch auch noch berichten

über Kröten zwei Geschichten.

Die erste Story ist uralt;

100-tausend Jahre bald.

Zur Urzeit, das ist heut' bekannt,

war der Frosch die rechte Hand

des Schöpfers. In Chinas Mythenwelt

war er dem zur Seit’ gestellt.

21 Er trug die Erde auf dem Rücken

mit der Kugel sich zu schmücken.

Er hat den Erdball routiniert

durch das Weltall balanciert.

Manchmal, auf der Jagd nach Mucken,

durchlief den Frosch ein Muskelzucken.

Dann rollte auf des Quakis Ast

die schwere kugelige Last

und löste aus, was folgenreich,

ein Erdbeben im China-Reich.

Die Leute die davon betroffen

beten seitdem und sie hoffen,

dass nicht der Frosch den Untergang

der Welt riskiert zwecks Mückenfang.

Auch die zweite, die wir lesen

entstammt dem Reiche der Chinesen.

Liu Hai, eine chinesische Legende

Liu Hai vor tausend Jahr'

im Kaiserreich Minister war.

Auch berichtet uns die Sage:

"Er war zu zaubern in der Lage!"

22. Sein Reittier eine Kröte war.

So stellten ihn die Künstler dar.

Der Kröte fehlte gar ein Bein,

doch sollte das nicht wichtig sein.

Sie folgte Liu auf Schritt und Tritt.

Meist jedoch er auf ihr ritt.

Wenn Hai in Eile ist gewesen,

so steht weiter noch zu lesen,

bracht’ ihn das Tier in Windesschnelle

an jede X-belieb'ge Stelle.

Niemals hörte Liu sie klagen

wenn er wurd' von ihr getragen

in Blitzeseile hopp, hopp, hopp,

durch die Lande im Galopp

Doch eines Tages, wohl aus Frust

hatte die Kröte keine Lust.

Versteckte sich im Brunnen tief

und hörte nicht als er sie rief.

Aber Hai der wusste Rat,

kannt' einen Trick der sehr probat.

22a Er fädelte an eine Schnur

etwas dem die Kreatur

aufgeschlossen war und hold.

Ein paar Münzen, reines Gold.*4

Die ließ er in den Brunnen runter.

Die Kröte wurde sogleich munter.

Aller Vorsatz war vergessen;

sie schnappte gierig und besessen

sich das Gold weil’s glänzte pur...

Und schon hing sie an der Schnur.

So hat Liu Hai per Strick gefangen

die Kröte aus dem Brunnenschacht,

und für Gold auf sein Verlangen

zum Reittier sie erneut gemacht.

In China ist die alte Mähr

auch heute noch sehr populär.

Durch Kunst und auch durch Literatur

hab' ich verfolgt der beiden Spur.

So kann ich euch an hand von Bildern

die Geschichte nochmals schildern.

23. Das erste Bild zeigt uns Liu Hai

wie er, mit der Kröt’ anbei,

präpariert sich abzuheben

um mit ihr davonzuschweben.

24. Das zweite Bild, hier in Profil,

zeigt Ross und Reiter. Auch der Stil,

genau zu seh'n ist von der Seiten.

Ohne Zaumzeug muss't er reiten.

25. Von vorn' betrachtet Ross und Reiter

wirken kürzer, dafür breiter.

Dennoch seh'n wir am Geblüt.

Das Tier entstammt einem Gestüt,

welches schon vor langen Zeiten

ausstarb auch in Chinas Breiten.

Als nächstes zeigt Liu Hai uns dann,

wie man Kröten fangen kann.

Das bisschen Gold in seiner Hand

raubt der Kröte den Verstand.

Vergessend, dass sie durchgebrannt

26. taucht sie auf am Brunnenrand.

Verdrängend, dass sie ihm entwichen

kommt sie wieder angeschlichen.

Mittels Goldschnur angelockt

ergeben sie jetzt vor ihm hockt.

27. Ein andres Bild stellt uns jetzt dar,

wie anhänglich die Kröte war.

Sie lässt die Goldschnur nicht mehr los,

sie hängt nun 'mal so an dem Moos.

28. Im Detail und aus der Näh,'

zeigt Hai sich uns nun im Portrait

damit man ihn bewundern kann

samt seiner Krott, aus Porzellan.

30. Selbst in der einst'gen DDR

kannte man Hai, der war schon wer.

Und seine Kröte mit drei Beinen

mocht' man auch, das will ich meinen.

Ich hab' die beiden dort gesehen

"drüben" im Museum stehen.

Chinesischer Ursprung:

Kunstgeschichtlicher Rückblick

In China, so schreibt Li Ze Hou,

"war man mit dem Frosch per Du".

Aus seinem Buch hab' ich erfahren,

dass vor siebentausend Jahren

dort im Reiche der Chinesen,

der Frosch sehr populär gewesen.*5

Der Pekingmensch, das ist enorm,

kannte schon des Grünen Form.

Die Künstler in der Banpo-Zeit

nutzten die Gelegenheit,

30. malten des Frosches Konterfei

auf alte Scherben. Einwandfrei,

für Forscher, wenn sie nicht grad pennen,

der Batrachos ist zu erkennen.

Die Kröte wurde später Mode,

31. zur Miaodigou-Periode.

32. Zur Majiayao-Zeit die beiden

mochten sich noch immer leiden.

33. Zur Banshan-Zeit nahm man alsdann

kurzfristig acht Beine an.

34. In der Machang-Lurch-Periode

wurd' das Krötenmuster Mode.

35. In Ton gebrannt, die Krötenspur

auch in der Oijia-Kultur.

Zur Han-Zeit wurd' sie kurzentschlossen

36. Von Hou I zum Mond geschossen.*6

Fortan ist sie den Chinesen

Mahnung dafür stets gewesen,

dass eine Frau so enden kann

die beklaut den Ehemann.

Die Skizzen, ich sag's unumwunden,

hab' ich in Zen Hou's Buch gefunden.

Sie sollen auf dem "Weg des Schönen"

uns so langsam eingewöhnen.

Uns überzeugen, dass en gros

in China damals Frosch und Co

als Schmuck entstand und wurd' getragen.

Der Frosch war in in jenen Tagen.

Vielleicht aus religiösen Gründen

trug man Frosch, damit zu künden,

dass man nur ihm auf ewig grün

weil er als Tier-Gott war so kühn.

Wie dem auch sei; ob's stimmt ob nicht;

das zu ergründen wär' die Pflicht

der Wissenschaft. Ihr überlassen

wir's sich damit zu befassen.

Dieses Weib, ganz unverhohlen

hatte Hou dereinst bestohlen.

Was sie ihm stahl, das wissen wir.

Das Unsterblichkeits-Elixier.

Der Trunk, bevor er ihn genommen

ist so abhanden ihm gekommen.

Gemeint ist hier die Frau Cha’ng Ngo

die auf dem Monde irgendwo,

weil ihren Mann sie überlistet,

zur Straf’ als Krott ihr Dasein fristet.

Die Skizzen, ich sag’s unumwunden,

hab’ ich in Zen Hous Buch gefunden.

Sie sollen auf dem „Weg des Schönen“*7

uns so langsam eingewöhnen.

Uns überzeugen, dass en gros

in China damals Frosch und Co

als Schmuck entstand und wurd’ getragen.

Der Quaks war in in jenen Tagen.

Vielleicht aus religiösen Gründen

trug man Frosch, damit zu künden,

dass man nur ihm auf ewig grün,

weil er als Tiergott war so kühn.

Wie dem auch sei, ob’ stimmt; ob nicht;

das zu ergründen wär’ die Pflicht

der Wissenschaft. Ihr überlassen

wir’s sich damit zu befassen

Heute, so der Forscher Kunde,

mehren sich Frosch-Plastik-Funde.

Was Künstler einst geschaffen haben

wird heute wieder ausgegraben.

Manch selt'nes Fröschlein, welch ein Glück

findet so an's Licht zurück

und macht den Archäologen klar

was dereinst so in Mode war.

Ein paar Jahrtausende hindurch

verehrte man den Quake-Lurch.

Auf Pötten, Kultgerät und Vasen

damals die hübschen Kerlchen saßen.

Noch heute zeugen sie davon,

auf manchem alten Stück aus Ton,

dass Frösche einst als heilig galten.

Zwei Hetschen die den Henkel halten

sitzen sich dort vis a vis

37. an einem Pott Chang-Dynastie.

Bevor nach Japan überschwenken

wir, lasst uns noch kurz gedenken

jenen die den Frosch erfunden.

Wie Chronisten uns bekunden

waren dies, so steht zu lesen,

im Reich der Mitte die Chinesen.

38. Ein Teller aus gebranntem Ton

mit einem Lurchen-Unikum

kündet als Beweis davon,

dass im Neolithikum

Frosch und Kröte als Dekor

brachte China's Kunst hervor.

Wir hörten, dass dort lange schon

die Frösche hatten Tradition.

Vor circa drei mal tausend Jahren,

so habe ich gerad' erfahren,

dienten in der Chou-Dynastie

Lurche der Aristokratie.

"Kröte war für reiche Knaben

eine von den besten Gaben",

hätte Busch dazu gesagt,

hätt' man ihn dazu befragt.

Sie spielten 'ne bedeutungsvolle,

39. wie wir seh'n, tragende Rolle.

Frösche gab's in China satt.

Das nächste Dutzend, wir sind platt,

diente, so hab' ich erfahren,

soldatisch vor dreitausend Jahren.

Tausend vor Christus klang ihr Song

parallel zum Kesselgong

auf welchem sie mit grünen Nasen,

Trommel rührend, artig saßen.

Manch Fröschlein ohne Weh und Klage

kam um nach einem Paukenschlage.

40. Doch jene die hier abgelichtet

überlebten...Dies berichtet

Franz Heger uns in seinem Buch.

Jetzt sind sie bei uns, zu Besuch.

Wie die Frösch' die militären

zum Einsatz kamen das erklären

uns die restlichen Rabauken

unter'm Stichwort "Kesselpauken".

Wie dort gesagt, die Frösche schlau

waren siegreich durch Radau.

Zur Trommel haben sie gequarrt

im Wasser, so den Feind genarrt.

3000 Jahre ist das her,

dass sie verjagt des Feindes Heer.

Ja, ja, der Frosch hat Tradition

im China-Reich recht lange schon.

500 Jahre später dann,

41. saßen sie auf der Badewann'.

Hüpften von dort, sich zu verstecken,

hinein ins güld'ne Wasserbecken.

Dreihundert vor Christus tauchten sie

als Bronzeguss und mit Esprit

wieder im Geschichtsverlauf

als Taoisten-Symbol auf.

42. Der "Berg der Unsterblichen" zeigt

den Weg der zu beschreiten bleibt,

auf dem, das will Laotze lehren,

letztendlich wir einst wiederkehren.

Wenn wir den Berg uns nun betrachten,

mit Phantasie aufs Detail achten,

zeigt uns der alte Bronzeguss,

dass ein Frosch ihn tragen muss.

Und aus des Bechers Bronzehülle

quellen Kröten ihre Fülle

nach oben stolz zum Gipfel hin.

Ist Auferstehung hier der Sinn

der tief im Tao liegt versteckt?

Was hat der Künstler nur bezweckt

der die Plastik einst geschaffen

die interessiert wir heut' begaffen?

Man müsst' die beiden Frösche fragen

die den Berg-Aufstieg dort wagen.

Wir seh'n sie auf dem schmalen Steg.

Aufwärts windet sich ihr Weg.

Langsam fassen sie nur Tritt.

Mühsam jeder Einzelschritt.

So streben sie zum Gipfelpunkt.

Ob Konfuzius sie verunkt,

das Tao Phantasie gewesen,

steht bei jenem nicht zu lesen.

Die Kröten die im Kelch vereint,

das hat Laotze wohl gemeint,

hüpften später dann zum Teich

schnurstracks nach Peking zwecks der Laich'.

Als Urwesen der Welt entstanden

Quappen die sich alsbald fanden.

Die, dem Frosch-Dasein entschlafen

43. dienten bald als Seismographen.

Zhang Heng, ein Tüftler smart und fleißig,

erfand um hundertzweiunddreißig

nach Christus schon das Instrument,

das heute Seismograph man nennt.*8

Die Kröte, die sonst gilt als faul,

mit ihrem großen breiten Maul,

saß in diesem Apparat

zum Kugel auffangen parat.

Wenn irgendwo die Erde bebte,

was damals man recht oft erlebte,

spuckte der Meldeautomat

eine Kugel akkurat

der Fänger-Kröte in den Schlund.

Diese gab dem Kaiser kund

wo das Epizentrum lag.

Ein Technik-Wunder, keine Frag'.

Später im Geschichts-Verlauf

tauchten sie noch öfter auf.

In China zu der Han-Periode

war der Frosch ganz groß in Mode.

Mit der Göttin Xi-wang-mu

hatte er manch Rendezvous.

44. Auf der Insel der Unsterblichkeit*9

traf man sich von Zeit zu Zeit.

Bei der Königin des Westens

ging es dem grünen Frosche bestens.

Don-wang-Gong, der Frosch aus Osten,

kam bei ihr auf seine Kosten.

Den Pfirsich der Unsterblichkeit

schenkte ihm die West-Gottheit.

Was sich sonst noch zugetragen,

lässt sich genauer nicht mehr sagen.

Die Fotos, die wir heut' bekommen

von der Göttin, sind verschwommen.

Hingegen ist vom Liebesnest

erhalten uns bis heut’ ein Rest.

Als Räuchergefäß dargestellt,

zeigt es uns die Han-Zeit-Welt.

Die Schildkröt' trug das Inselland.

Die Frösche winkten mit der Hand.

Dass damals man dem Frosch war hold

45. beweist ein Frosch aus purem Gold.

Er stammt etwa aus jener Zeit

als bei uns die Christenheit

im Jahre Null den Anfang nahm.

'Ne Grab-Beigabe, wundersam,

aus purem reinem Gold gegossen.

Zur Auferstehung fest entschlossen,

fand man ihn vor ein paar Jahren.

Ob, was dem Frosche widerfahren,

im Grab dem Nachbarn widerfuhr

ist nicht belegt durch Literatur.

Da hat man wohl nicht aufgepasst

als man sich mit dem Frosch befasst,

oder die Archäologen

haben uns betrogen.

Oft noch, in Chinas Frühgeschichte,

finden sich dort Frosch-Berichte.

Ich füge an euch hier ein paar

zu beweisen klipp und klar,

was für uns so interessant,

dass der Frosch aus China stammt.

Von dort aus ist er irgendwann

nach Japan ausgewandert dann.

Im Land' der Mitte finden wir

noch manchen Hinweis auf das Tier.

46. Ein Grabfund aus der Mawangdai

zeigt auf 'ner Seidenmalerei

den Mondfrosch uns, der seine Kröte

auf dem Halbmonde erhöhte.

Er stemmt die Krott; die ziemlich groß

in die Höhe mühelos;

und der Mondhas' der Filou,

schaut interessiert den beiden zu.

47. Als Zierart diente Frosches Hülle

einst der Bronze-Spaten-Tülle.

Haargenau und kunstgetreu

stellt uns Ives Bonnefoy

in seinem Band "Mythologies"

'ne Gottheit vor, die in Paris

im National-Museum steht.

Weil es ihr dort besser geht

als mit der Kröte auf dem Mond

wo man vor kurzem noch gewohnt,

haben beide es erwogen

und sind nach Paris gezogen.

48. Die Bronze ähnelt Liu Hai.

Der Kenner jedoch einwandfrei

stellt prüfend fest, er schaut genau.

Die Mond-Gottheit ist eine Frau.

Ganz plötzlich fällt ihm dazu ein:

Das muss die alte Chang Chu sein,

welche How I kurzentschlossen

einstmals auf den Mond geschossen.

Dort wurd' sie schwanger. Die Person

hat mit dem Mondkröter n'en Sohn.

Weil für die Quappe es sehr bald

wurde auf dem Mond zu kalt,

ist man an die Seine gekommen

und hat dort Quartier genommen.

Hier leben glücklich nun die drei,

legiert aus Kupfer, Zinn und Blei.

Dass sie recht gut schwimmen kann,

darauf sich die Kröt’ besann.

49. Sie stach in See mit Liu Hai.

Auf einer Vasen-Malerei

man sie heut' bewundern kann

mitten drin im Ozean.

Was sie erlebten maritim

ist nur dem Nautikus sublim.

50. Als die zwei dann irgendwann

kamen am andern Ufer an,

dacht' jedermann von Liu Hai,

dass er vom andern Ufer sei.

Schnell versteckte sich der Junge.

51. Die Kröte zeigt indes die Zunge.

Sie ist mehr den Damen hold

das Riech-Fläschchen , aus purem Gold.

52. Der nächste Kröter, tongebrannt,

sei deshalb nur noch hier genannt,

weil er quakte es mir prompt,

dass auch er aus China kommt.

In alten Büchern steht zu lesen

gar manches über die Chinesen,

und die Bilder die anbei,

beweisen es, ganz einwandfrei.

Sie machen selbst dem Dümmsten klar,

dass der Chines' ein Frosch-Fan war.

So hab' auch ich lesend erfahren,

dass in vorchristlichen Jahren

Frosch und Kröte als Dekor

brachte China's Kunst hervor.

53. Ein Traufziegel aus Fengxiang

bestätigt dies. Jahrtausende lang

sitzt dort ein Krott. Der Zeit-Statist

zeigt uns wie man mit Stäbchen isst.

Was er auf dem Teller hatte

steht heute nicht mehr zur Debatte.

Ich denk' es waren Fliegen.

Man sieht noch zwei dort liegen.

54. Zwei Maltöpfchen füg' ich noch an

aus echtem China-Porzellan.

Die beiden bilden brav ein Paar.

Wie es bei Künstlern üblich war,

tauchte der froschwohlgesinnte

hier die Feder in die Tinte.

Rechts in schwarz und links in rot.

Der Maler ist schon lange tot.

Sein Handwerkszeug, die Frösch' jedoch,

wurden älter, leben noch.

Von Hongkong bis zur Mandschurei

hat man die Kröte stets dabei

denn diese, wenn man abgebrannt,

ist für Nachschub der Garant.

Bereits die Kinder wussten dies:

Mücken, Kohle oder Kies

sind auch in China stets vonnöten.

Deshalb schätzt man dort die Kröten.

55. "Ne Krott, die Kupfermünzen speist",

sagt man, "Taiwan-Dollar scheißt".

So hat's in Peking mir gesagt

der Bänker den ich dort gefragt,

und weiter sprach der Mann zu mir:

"Für Reichtum steht bei uns das Tier".

"Na ja, mit solch 'nem Attribut

lebt sich's selbst in China gut",

denke ich mit frohem Sinn

und schau zu den Kindern hin

die, weil sie nach Reichtum streben,

der Krott die Kupfermünzen geben.

Sicher wollt ihr von mir wissen

was die Kröte drauf ge...

rissen ist die Münzenschnur.

Dann verlor ich ihre Spur.

56. Eine Zeichnung von Wang Wei

füg' ich an noch. Im Detail

hat der die Dreibein-Krott versiert,

wie sie aussah, uns skizziert.

Um 16 hundert siebzig 'rum

malte er das Unikum.

Sie scheint im Eilschritt zu marschieren;

doch weil ein Bein fehlt von den vieren

stolperte sie oft im Grase

und fiel kopfüber auf die Nase.

Dass in China einstmals gar

57. die Kröt' ein Kinderspielzeug war

beweist ein Bild uns von Dong Ho.

Um 17-hundert war das so.

Das hübsche Tier, so hat's den Schein,

war mangels Plastik-Lego-Stein

den China-Kids von früh bis spät

das allerliebste Spielgerät.

Heut' ist das anders, wie ihr wisst:

Dank Kopie der Kommunist

in China, und zwar gut sortiert,

Blech und Plastik produziert.

Ja, es kommt sogar noch schlimmer.

Manch Frosch bei uns im Kinderzimmer,

obwohl in Hongkong hergestellt,

sich zu Steiff und Co gesellt.

In Plüsch gefällt er, kommt sich vor,

als hätt' er selbst den Knopf im Ohr.

Doch hinterem Ohr da steht zu lesen:

"Made in Hongkong, von Chinesen".

So schließt sich hier erneut der Kreis!

Wie jedermann im Westen weiß

führt China's Frosch-Verdrängungs-Markt

bei uns zum Euro-Quaks-Infarkt.

Doch gegen China konkurrieren

in Sachen Frosch, hieße verlieren.

Schließlich ist man lurcherfahren

dort seit vielen tausend Jahren.

Man lacht uns aus im Abendland:

„Als man den Frosch bei uns erfand

war er im Reich der Mitte bald

rund siebentausend Jahre alt“.

So hat man Recht in Peking wohl.

Auf den Frosch das Monopol,

weil die ersten sie gewesen,

haben heute die Chinesen.

58. Die Kröte auf dem Ziegelstein

tanzt fröhlich auf nur einem Bein.

Der Ziegel stammt aus einem Grabe

und war vermutlich eine Gabe

an den Toten, damit der

dacht' stets an eine Wiederkehr.

Frau Kröte seh'n wir fröhlich winken

mit einem Grashalm in der Linken.

Dieser Halm stellt offenbar

Wachstum und neues Leben dar.

Ob der Tote sich besonnen,

seinem Grab-Dasein entronnen,

ob Wurzeln schlug der Grashalm-Keim

eines Tages insgeheim

drängte hervor, erneut ans Licht,

das verschweigt uns der Bericht..

Ob die Krott, die mysteriöse

gut war oder ob sie böse

niemand heute sagen kann.

Damals glaubte man daran,

dass jeder der der Kröte frommt,

neugeboren wiederkommt.

Wie gesagt, so war es Mode,

damals in der Han-Periode.

Neunhundert Jahre später dann,

treffen wir sie wieder an.

59. Auf einem alten Bronze-Spiegel

bereitet der Has' in einem Tiegel

der Mondkröt' jenes Elixier

welches Unsterblichkeit gab ihr.

Ein anderer Spiegel, im Detail,

60. zeigt wieder Kröten, diesmal drei.

Zwölfhundert Jahre sind sie alt;

fast europäisch von Gestalt

wirken sie, bis auf die eine,

die hat statt vieren nur drei Beine.

Und was macht uns solches klar?

Dass sie 'ne Chinesin war!

61. Zwei Kröten die am Himmel schweben,

dort durch das Universum streben

und wie man auch im Bilde sieht:

Die Gottheit Kiän als Satellit

gibt im Kosmos sich die Ehr

und schwebt als Perle nebenher.

62. Ein Kunstwerk, heut’ noch viel bewundert,

wurd' gemalt um siebenhundert

von einem Künstler namens Wu

Tao-tse. Hier im Passepartout

Buddhas Eingang ins Nirvana.

Mit dabei Tiger und Rana.

Frosch an Frosch aus der Geschichte

ließ reihen sich in dem Berichte.

63. Ein Froschbildnis von Chien Hsüan

füge ich als nächstes an.

Als Akt gemalt, ganz Nackedei,

zeigt uns der Frosch sein Konterfei.

Er selbst, vor siebenhundert Jahren,

war sich darüber nicht im Klaren,

dass er zur Jahrtausendwende

in Germany zwecks Frosch-Legende,

erneut beginnt den Lebenslauf.

Der Frosch taucht immer wieder auf.

In China 16 tes Jahrhundert

als Kunstobjekt von uns bewundert,

zeigt er sich heut' noch im Profil

64. im China-Porzellan-Mal-Stil.

Ein weiteres Jahrhundert später

erscheint ein Krott, ein aufgeblähter

und bietet sich der Kröte feil

65. als Plastik, Ching-Zeit, ganz Email.*10

Zur selben Zeit hat Robert Schmidt

66. zwei Knaben bei dem Krötenritt

67. beobachtet, die analog

dem Knaben vorn' im Katalog,*11

in China im Geschichts-Verlauf

immer wieder tauchen auf.

Westwärts stand zur gleichen Zeit

68. Harpokrates startbereit.

69. Und auch Bes, im Altertum

ritt auf einem Frosch herum.

Die beiden nur Erwähnung fanden

weil sie in Verbindung standen

sicherlich doch irgendwie

mit der China- Szenerie.

Dass der Frosch dort gläubig war

legte uns Karl Sälzle dar.

In seinem Werk "Tier, Gottheit, Dämon"

hüpft der Frosch zum Buddha-Thron

und bringt dem Gott ein Opfer dar.

70. Was schleppt er denn da zum Altar?

Sälzle meint 'ne Erdbeer-Frucht:

Ich hingegen bin versucht

zu glauben, dass zum Opferfest,

der Frosch anschleppt ein Wespennest.

Was will uns dieses Bildnis sagen?

Will er den Göttlichen verjagen?

Was ist des Frosches Strategie?

Gotteslästerung, Häresie?

Lassen wir die Frage offen,

für Buddha uns das Beste hoffen.

Vielleicht ist es, dem Gott zur Ehre,

wie Sälzle meint, ja doch 'ne Beere.

Wenn dem so ist, der Frosch vor'm Thron

erfährt bestimmt Absolution.

Doch zurück in Chinas Breiten

bevor nach Japan überleiten

wir zum Thema Nets'ke bald.

Abschließend die Ungestalt

71. der Dreibeinkröte J-inchan,

wie man ihr dort begegnen kann.

Nicht gerade sehr apart

malt man sie zur Gegenwart.

Die Vorlage zu dieser Skizze

hatte Miklos im Besitze,

der sie, weil man ihn bezahlte,

in eines seiner Bücher malte.

Ein andres Bild noch auf die Schnelle

In Hejzlars "China-Aquarelle"

fand ich es. Es zeigt die zwei

Brüder Ho-Ho aus Shanghai.

Was sie mit dem Frosche treiben

möcht' ich lieber nicht beschreiben...

Oder soll ich's doch erzählen

wie sie brutal den Grünen quälen?

Man ahnt es nur, kann es nicht sehen

was mit dem armen Tier geschehen.

Das Cape gibt uns den Blick nicht frei.

Es war bestimmt 'ne Flegelei

was die zwei, die schelmisch lachten,

mit dem netten Fröschlein machten.

'Nen Hinweis gibt der Weidenzweig

der lose dort vom Blätterkleid

im Bild zu Boden gleitet, offenbar

weil er gelockert worden war.

Den Rest, denk' ich mit Ironie,

erzählt euch eure Phantasie.

Doch hoff' ich, dass zu End' gedacht

kein Denkfehler von euch gemacht,

denn solches würde Hsü Pei Hung

nicht grad' als Bestätigung

für seine Zeichenkunst betrachten.

Ihr solltet also darauf achten,

dass ihr nicht sagt im Übermut

was ihr denkt; das man dort tut.

Da ich das Bild als Letztes fand

füg' ich es ein in diesen Band

als Nachtrag, 72 a.

Sucht die Brüder Ho-Ho da.

Ich seh' es als Bereicherung

das Bild vom Künstler Hsü Pei Hung

und weiß ihr seht sie ebenso

die legendären Brüder Ho.

Noch etwas, das interessant!

Vor manchem China-Restaurant

in Peking an der Straßenecke

hängt ein Frosch zum Werbezwecke.

Er wirbt dort für ein Esstabu.

"Schützt den Frosch, lasst mich in Ruh'.

Esst Reis, Gemüse, Butterbrot,

doch niemals mich. Ich bin bedroht

da es heut' in Peking kaum

gibt für mich noch Lebensraum".

Das hat dem Frosch man raffiniert

auf seinen Rücken tätowiert.

Als Aufruf steht dort klar zu lesen:

"Schützt mich und alle Lebewesen"!

Die meisten Leut' in China dort

beachten dieses weise Wort.

Doch Schüsse die durch Peking knallen

beweisen, dass dort längst nicht allen

gefällt für was der Frosch da wirbt.

So manches Lebewesen stirbt

wohl deshalb grad, weil es im Wesen

niemals noch ein Frosch gewesen.

Der Frosch anbei faximile

als Zeichnung 72 b.

Kröte und Frosch nun als Essay

in Zeichnung 72 c.

Die erst're nennt sich "ha-ma" da.

Der Frosch hingegen schimpft sich "wa".

Bei Eberhard fand ich die beiden

abgedruckt, der mocht' sie leiden.

Von ihm stammen auch die "wu-tu".

Die geb' ich gratis euch dazu.

Die Kröte gilt als Gifttier hier!

Das hätt' ich nicht gedacht von ihr.

Als 72 d anbei

mit der Geldschnur Liu Hai.

Wir sehen wie er diese schwingt,

und mit der Krott darüberspringt.

Den beiden geht es wohl zu gut.

Doch Reichtum kann zu Übermut

oder Hochmut schnell verleiten.

So war es auch in jenen Zeiten

als das Froschmärchen entstand

welches ich bei Wilhelm fand.

Es fiel mir bei der Fröschesuche

auf in seinem Märchenbuche,

das Märchen welches die Chinesen

am Yangtsekiang noch heute lesen.

"Die Froschprinzessin" nennt es sich.

Ein Märchen wahrlich königlich.


Die Froschprinzessin

Am mittleren Yangtsekiang wird der Froschkönig sehr eifrig verehrt. Er hat einen Tempel; dort gibt es Frösche zu Tausenden und aber Tausenden, zum Teil von riesiger Größe. Wer sich den Zorn des Gottes zuzieht, in dessen Hause treten seltsame Erscheinungen auf: Frösche hüpfen auf Tischen und Betten umher; in schlimmen Fällen kriechen sie selbst an den glatten Wänden empor, ohne dass sie herunterfallen. Verschiedene Arten von Vorzeichen gibt es; aber alle deuten darauf hin, dass dem Hause Unglück droht. Dann geraten die Bewohner in große Furcht, schlachten ein Rind und bringen es als Opfer dar. So wird der Gott umge­stimmt, und es geschieht nichts Weiteres.

In jener Gegend lebte ein Knabe namens Siä Kung-Schong. Er war klug und schön. Als er et­wa sechs, sieben Jahre alt war, kam eine grüngekleidete Dienerin in die Wohnung. Sie nannte sich selbst eine Botin des Froschkönigs und teilte mit, dass der Froschkönig seine Tochter dem jungen Siä vermählen wolle. Der alte Siä war ein ehrlicher und beschränkter Mann, und da ihm die Sache nicht passte, schlug er es ab, weil sein Sohn noch zu jung sei. Trotz dieser Ab­lehnung wagte man aber doch nicht, nach einer anderen Lebensgefährtin für den Sohn zu se­hen.

Einige Jahre waren darüber hingegangen, und der Junge wuchs allmählich heran. Man verab­redete eine Heirat mit einem Fräulein Giang.

Der Froschkönig aber teilte ihr mit: "Der junge Siä ist mein Schwiegersohn; wie kannst du dich unterstehen, von verbotenen Früchten zu naschen!" Da fürchtete sich der Vater Giang und nahm sein Wort zurück.

Der alte Siä ward sehr betrübt darüber. Er bereitete ein Opfer und ging in den Tempel zu be­ten. Er brachte vor, dass er sich unwürdig fühle, mit einem Gott in Verwandtschaft zu treten. Da er aber ausgebetet hatte, zeigten sich in dem Opferfleisch und Wein große Maden, die wimmelnd umherkrochen. Er goss sie aus, bat um Verzeihung und kehrte voll schlimmer Ah­nungen heim. Er wusste sich nun nicht mehr zu helfen und ließ den Dingen ihren Lauf.

Eines Tages ging der junge Siä auf der Straße. Da trat ein Bote auf ihn zu, der ihm den Auf­trag des Froschkönigs überbrachte, dass er dringend gebeten sei, zu ihm zu kommen. Es blieb ihm nichts übrig; er musste dem Boten folgen. Der führte ihn durch ein rotes Tor in prächtige, hohe Gemächer. Im Saale saß ein Greis, der wohl achtzig Jahre alt sein mochte. Siä warf sich huldigend vor ihm nieder. Der Greis hieß ihn aufstehen und wies ihm einen Platz am Tische an.

Bald kamen Mägde und Weiber hereingedrängt, ihn anzuschauen. Da wandte sich der Greis zu ihnen und sprach: "Geht ins Gemach und saget, dass der Bräutigam gekommen!"

Eilends liefen ein paar Mägde weg. Nach einiger Zeit kam eine Alte aus dem inneren Ge­mach, die führte an der Hand ein Mädchen, wohl sechzehn Jahre alt und unvergleichlich schön. Auf diese wies der Greis und sprach: "Dies ist mein zehntes Töchterchen. Ich dachte mir, ihr beide passet wohl zusammen. Aber dein Vater hat wegen der Verschiedenheit der Rasse uns verschmäht. Doch ist die eigene Hochzeit eine Sache, die für das ganze Leben wichtig ist. Zur Hälfte nur vermögen sie die Eltern zu bestimmen. Schließlich kommt das meiste auf dich selber an."

Siä hielt seine Blicke auf das Mädchen fest geheftet und gewann sie lieb in seinem Herzen. Schweigend saß er da. Die Alte sprach: "Ich wusste es wohl, der junge Herr ist einverstanden. Geht nur voraus, wir wollen dann die Braut Euch bringen."

Siä sagte ja und eilte, es seinem Vater anzusagen. Sein Vater war ratlos in seiner Aufregung. Er gab ihm einen Vorwand und wollte ihn zurückschicken, um dankend abzulehnen. Aber Siä war nicht gewillt zu gehen. Während der Hin- und Widerreden war der Wagen mit der Braut schon vor der Tür. Eine Schar von Grünröcken umgab ihn, und das Fräulein trat herein und machte vor den Schwiegereltern eine höfliche Verbeugung. Als die sie sahen, waren sie beide froh, und auf den Abend ward die Hochzeitsfeier angesetzt.

Das neue Paar lebte in Frieden und Eintracht. Und seit der Heirat nahten sich die göttlichen Schwiegereltern häufig ihrem Hause. Waren dann die Kleider, die sie trugen, rot, so stand ein Glück, waren sie weiß, so stand ein Gewinn in sicherer Aussicht. Und so wurde die Familie mit der Zeit begütert.

Seit der Verbindung mit den Göttern aber wimmelte es in Zimmern, Höfen und an allen Orten von Fröschen. Und niemand wagte, ihnen etwas zu tun. Nur Siä Kung-Schong war jung und rücksichtslos. War er in guter Laune, so kümmerte er sich nicht um sie; war er aber schlecht aufgelegt, dann kannte er keine Schonung und trat sie gar absichtlich zu Tode.

Die junge Frau war zwar im allgemeinen bescheiden und gehorsam, doch wurde sie leicht heftig. Sie war mit ihres Mannes Tun nicht einverstanden. Aber Siä tat ihr den Gefallen nicht, von seiner groben Art zu lassen. So tadelte sie ihn denn darob. Er aber wurde böse.

"Denkst du", sprach er, "weil deine Eltern Unglück über Menschen bringen können, werde sich ein rechter Mann vor einem Frosch fürchten?"

Die Frau vermied es ängstlich, den Namen "Frosch" zu nennen; so ward sie denn ob seiner Rede zornig und sagte: "Seit ich in eurem Hause bin, haben eure Felder mehr Ertrag gegeben, und beim Verkauf habt ihr höheren Preis erhalten. Das ist doch nicht wenig. Nun aber bei euch alt und jung in der Wolle sitzt und sich herausgefüttert hat, machst du es wie die junge Eule, die ihrer Mutter die Augen aushackt, wenn sie flügge geworden."

Siä wurde noch heftiger und fuhr los: "Schon lange sind mir diese Gaben als unrein zuwider. Solchen Besitz auf Söhne und Enkel zu vererben, bringe ich nicht über mich. Besser wäre es, wir trennen uns gleich."

So verstieß er denn seine Frau, und ehe noch seine Eltern davon erfuhren, war sie schon fort. Die Eltern schalten und hießen ihn schleunigst zu gehen, um sie zurückzuholen. Er aber, noch in vollem Zorn, wollte nicht nachgeben.

In derselben Nacht wurden Mutter und Sohn krank. Sie waren matt und aßen nichts. Der Va­ter, voll Besorgnis, ging in den Tempel, um Verzeihung zu erflehen. Er betete so ernstlich, dass nach drei Tagen die Kranken wieder gesund waren. Und auch die Froschprinzessin stellte sich wieder ein, und beide lebten glücklich und vergnügt zusammen wie zuvor.

Die junge Frau aber saß den ganzen Tag da, nur beschäftigt mit Putz und Schminke, und kümmerte sich nicht um weibliche Handarbeit. So musste denn für die Kleider des Siä Kung-Schong immer noch seine Mutter sorgen.

Eines Tages war die Mutter ärgerlich und sprach: "Mein Sohn hat eine Frau, und doch hängt die ganze Arbeit noch an mir. Anderswo dient die Schwiegertochter der Schwiegermuter. Bei uns muss die Schwiegermutter ihre Schwiegertochter bedienen."

Die Prinzessin hörte das zufällig. Aufgeregt kam sie herein und fing an: "Hab ich es etwa daran fehlen lassen, wie es sich gehört, des Morgens und des Abends nach Euch zu sehen? Was mir abgeht, ist nur, dass ich nichts aus Liebe zum schnöden Geld mir selbst alle Mühsal aufladen mag." Die Mutter antwortete kein Wort. Sie weinte nur still vor sich hin ob der erlit­tenen Beschämung.

Ihr Sohn kam dazu und bemerkte die Tränenspuren seiner Mutter. Er drang in sie nach dem Grund und erfuhr, was sich begeben. Er machte zornig seiner Frau Vorwürfe. Die machte Einwände und wollte ihr Unrecht nicht zugeben. Schließlich sprach Siä: "Besser keine Frau haben als eine, die ihrer Schwiegermutter keine Freude macht! Was kann mir der alte Frosch schließlich tun, wenn ich ihn böse mache, als dass er Unglück schickt und mir das Leben nimmt?" So verstieß er abermals seine Frau.

Die Prinzessin verließ das Haus und ging weg. Am anderen Tag brach im Wohnhaus Feuer aus, das auf mehrere Gebäude übersprang; Tische, Betten, alles war verbrannt.

Siä ergrimmte darob, ging in den Tempel um sich zu beklagen. "Eine Tochter aufziehen, die ihren Schwiegereltern nicht zu Gefallen ist, zeigt, dass man keine Zucht im Hause hat. Und nun bestärkt Ihr sie sogar in ihren Fehlern. Man sagt, die Götter seien höchst gerecht. Gibt es auch Götter, die die Menschen lehren, ihre Frau zu fürchten? Außerdem, die ganze Streiterei ging nur von mir allein aus. Meine Eltern hatten nichts damit zu tun. Gebührte Beil und Säge mir, gut, Ihr konntet es mir selbst zufügen. Aber Ihr habt es nicht so gemacht. So will ich denn auch Euer Haus verbrennen, um mir die Befriedigung der Rache zu verschaffen."

Nach diesen Worten häufte er Brennholz vor dem Tempel zusammen, schlug Feuer und wollte es anstecken. Die Nachbarn strömten herzu und machten ihm Vorstellungen. Da fraß er seinen Zorn in sich hinein und ging nach Hause.

Als seine Eltern davon hörten, entfärbten sie sich vor großer Furcht. Zur Nachtzeit aber er­schien der Gott den Leuten in dem Nachbardorf und befahl ihnen, das Haus seines Eidams wieder aufzubauen. Als es Tag ward, schleppten sie Bauholz an, und es drängten sich die Ar­beiter. Und alle fingen an, für Siä zu bauen. Was er auch sagte, sie ließen sich nicht abhalten. Den ganzen Tag waren fortwährend Hunderte von Arbeitern unterwegs. Und nach ein paar Tagen waren alle Räume wieder neu gebaut, alle Geräte, Vorhänge und Möbel standen voll­zählig da. Und als die Arbeit fertig war, da war auch die Prinzessin wiedergekommen. Sie stieg zum Saal empor und bekannte ihre Schuld mit vielen zärtlichen und liebreichen Worten. Dann wandte sie sich zu Siä Kung-Schong und lächelte ihm seitwärts zu. Im ganzen Haus war statt des Grolls die Freude eingekehrt. Und seitdem war die Prinzessin besonders friedfertig. Zwei Jahre vergingen, ohne dass ein böses Wort gefallen wäre.

Die Prinzessin verabscheute aber gar sehr die Schlangen. Einst tat zum Scherze der junge Siä

ein kleines Schlänglein in ein Päckchen. Das gab er ihr und hieß sie es zu öffnen. Sie wurde blas und machte ihm Vorwürfe. Da wurde auch bei ihm aus dem Scherze Ernst, und es gab böse Worte.

Endlich sprach die Prinzessin: "Diesmal will ich nicht warten, bis ich verstoßen werde. Nun ist’s entgültig aus." Damit ging sie zur Tür hinaus.

Der Vater Siä geriet in große Angst und züchtigte den Sohn selbst mit dem Stabe und bat den Gott um gütiges Verzeihen. Zum Glück folgte nichts Böses. Alles blieb still und ohne Laut.

So verging über ein Jahr. Siä Kung-Schong sehnte sich nach der Prinzessin und ging ernstlich in sich. Im geheimen schlich er sich in den Tempel des Gottes und klagte um die Prinzessin. Aber da war keine Stimme noch Antwort. Bald darauf hörte er auch noch, dass der Gott seine Tochter einem anderen Manne verlobt habe. Da verlor er im Herzen die Hoffnung und suchte auch eine neue Verbindung einzugehen.. Doch fand er trotz allen Suchens keine, die der Prin­zessin gleichgekommen wäre. So mehrte sich denn seine Sehnsucht nach ihr. Er ging in das Haus Yüan, wohin sie, wie es hieß, versprochen worden. Da hatten sie schon die Wände ge­strichen und den Hof gekehrt, und alles war zum Empfang des Brautwagens vorbereitet. Reue und Unwille übermannten ihn. Er aß nicht mehr und wurde krank. Seine Eltern waren ganz betäubt von Sorge um ihn, unfähig, einen Rat zu ersinnen.

Plötzlich fühlte er mitten in seinem Hindämmern, wie jemand ihn streichelte und sprach: "Wie steht’s mit unserm rechten Mann, der durchaus seine Frau verstoßen wollte?"

Er tat die Augen auf, da war es die Prinzessin. Voll Freude sprang er empor und sprach: "Wie kamst du nur wieder?" Die Prinzessin antwortete: "Eigentlich hätte ich nach deiner Art, die Leute schlecht zu behandeln, meines Vaters Befehl gehorchen und einen andern nehmen sollen. Tatsächlich lagen auch schon die Brautgeschen­ke der Familie Yüan bei uns im Haus. Aber ich sann und sann und konnte es nicht über mich bringen. Für heute Abend war die Hochzeit festgesetzt, und mein Vater hielt es für eine Schmach, das Brautgeschenk zurückzubringen. Ich nahm die Sachen selbst und stellte es ih­nen vor die Tür. Als ich herauskam, lief mein Vater neben mir her. "Verrückte Dirne", sagte er, "dass du nicht auf meine Worte hörst! Wenn dir bei den Siäs es künftig wieder schlecht ergeht, so frag ich nichts danach. Mögen sie dich totmachen, heim kommst du mir nicht mehr."

Gerührt von ihrer Treue fielen dem Siä die Tränen nieder. Die Diener eilten voller Freude zu den Eltern, ihnen die frohe Nachricht zu bringen. Als die es hörten, warteten sie nicht ab, bis die jungen Leute zu ihnen kamen, sondern liefen selber in das Haus des Sohnes, fassten sie beide bei der Hand und weinten. Der junge Siä war nun allmählich auch gesetzt geworden und ließ seinen Mutwillen. So ward die Liebe zwischen ihm und seiner Frau von Tag zu Tag aufrichtiger.

Einst sprach die Prinzessin zu ihm: "Früher, als du mich immer so schlecht behandeltest, da fürchtete ich, wir würden nie zusammenbleiben bis ins Alter. Darum wagte ich es nicht, ei­nem unglücklichen Kinde das Leben zu geben. Nun ist das alles anders, und ich will dir einen Sohn gebären."

Und richtig, nicht lange danach erschienen die göttlichen Schwiegereltern in roten Gewän­dern wieder im Haus, und tags darauf kam die Prinzessin nieder. Und zwei Söhne auf einmal konnte der glückliche Vater herzen.

Von da ab hörte der Verkehr mit Froschkönigs nicht mehr auf. Wenn jemand aus dem Volk den Gott zum Zorn gereizt, so suchte er erst bei dem jungen Siä Fürbitte zu erlangen und schickte Frau und Tochter in vollem Staat zu der Froschprinzessin, um sie anzuflehen. Lachte die Prinzessin, so war alles gut.

Die Familie Siä hat eine große Nachkommenschaft. Die Leute nennen sie Froschmännchen.

Nahestehende wagen nicht den Namen zu brauchen, aber Fernstehende rufen ihnen nach.

(Richard Wilhelm, Chinesische Märchen, Köln 1958 )


Wer das Märchen so verfasst,

dass es in unser Schema passt

ist bis heute unbekannt.

Drum wird der Autor nicht genannt.

Ich hab's in China aufgetrieben

und oben für euch aufgeschrieben.

Ich hoff’, dass ihr den Hintersinn

erkannt habt, der im Märchen drin'.

Aus des Frosches Märchenspur

lässt folgern sich das eine nur:

"Donnerwetter, sapperlot,

in China war der Frosch ein Gott".

Den Chines', seit alten Zeiten,

Frösche durch die Zeit begleiten.

Manches Künstlers Geistesblitz

zeugt davon heut' als Indiz

dafür, dass einst im Reich der Mitte,

der Frosch, nach guter, alter Sitte,

von den Chinesen wurd' verehrt.

Es scheint mir äußerst wissenswert,

dass auch in Peking kannt' die Schose

jeder von Meta Morphose.

Wie die damals zu Werke ging,

72. zeigt uns ein Bild von Futschi Sing.

Aus der Kröte, nach dem Tode

wurd' ein Mensch, so war es Mode.

Kein Wunder, dass der China-Teich

heute ist so menschenreich.

Man sagt, dass dort im Reich der Mitte,

ein Frosch beinahe jeder dritte

war im ersten Leben schon,

vor der Reinkarnation.

Ob wahr sind alle die Geschichten,

von denen Künstler uns berichten,

ob richtig ist, was man annimmt,

weiß ich auch nicht ganz bestimmt.

Sicher ist, was wir längst wissen.

Die Chinesen sind gerissen!

Manch Sinnspruch wurde dort erdacht,

der nachdenklich uns heut' noch macht.

Ein paar hab' ich hier aufgeschrieben

weil im Gedächtnis sie mir blieben.

Sie passen gut in dieses Buch.

Hier ist der erste weise Spruch:

"Zwei Frösch' mit einer Hand zu fangen

ist noch niemals gut gegangen".

Der zweite Sinnspruch folgt sogleich,

importiert aus Mao's Reich.

"Der Frosch im Brunnen, so sagt man,

vom Himmel nichts erzählen kann".

Aphorismus drei und vier

folgen direkt, jetzt und hier.

"Der Brunnenfrosch im Brunnenschacht

lebt im Brunnen wohlbedacht".

"Die Kröte, sie sinnt schon darauf,

die Wildgans einst zu fressen auf".

73. Den letzten Sinnspruch, weil sich’s trifft,

nun in China-Zeichen-Schrift.

Und was sagen uns die Zeichen?

Sie machen deutlich, unterstreichen,

dass auch im Chinesen-Reich

"Der Brunnenfrosch kennt nicht den Teich".

Noch eines, weil es von Belang

ist im Frosch-Zusammenhang,

sei erwähnt an dieser Stelle.

In einer China-Frosch-Novelle

tut uns "Guohua" kund:

"Das Wort "Wajiu" steht für "Froschmund“

und außerdem für "Vulva" auch".

Chinesisch für den Hausgebrauch

lernten wir, hochinteressant

mit was das Froschmaul da verwandt.

Damit sind wir in Sachen Lurch

im Land der Mitte auch schon durch.

Zum Abschluss fassen wir zusammen:

Sicher ist, Chinesen stammen

ab von der Kröten/Frosch-Kultur.

Dies beweist die Lurchen-Spur

die sich , wie man in Bälde sieht,

von China aus nach Japan zieht.

Wie der Frosch dort hingekommen?

Von Shanghai aus abgeschwommen

im Changjiang, dann kreuz und quer

durch das Ost-Chinesen-Meer.

Halb tot ist er nach sieben Wochen

in Tokyo an Land gekrochen.

Müde sank im Sand er nieder.

Der Ozean war ihm zuwider.

Vom Salz zerlaugt, die Haut zerschunden,

so hat man ihn am Strand gefunden.

Dort wurde Hilfe ihm zuteil.

Der Retter ohne Vorurteil

war ein heil'ger alter Mann

dem man dort begegnen kann

Gama Sennin, ein Heiliger

Gama Sennin, Ko-Sensei,

Koshin- Sennin, einerlei,

wie ihr immer wollt ihn nennen.

Wichtig nur, ihr müsst ihn kennen,

denn für Sammler von Passion

ist er schlicht die Hauptperson.

Wie Liu Hai in China auch,

tritt er auf mit nacktem Bauch

und mit dem gleichen Attribut.

Die Dreibeinkröte steht ihm gut.

Scheinbar ist hier nur kopiert,

was in China ausprobiert.

Den Geschichten, die sich ranken

ist es sicher zu verdanken,

dass man dem laubbedeckten Mann

als Nets'ke oft begegnen kann.

Was die Legenden so berichten,

möcht' ich hier etwas verdichten.

Ich fass' mich kurz, so gut es geht.

Unsterblich war er, ein Asket,

der durch die Lande ist gezogen

und gehandelt hat mit Drogen.

Eines Tags am Wegesrand,

der Sennin eine Kröte fand,

die dort lag in großer Pein,

schwer verletzt am Hinterbein.

Der Koshin pflegte sie gesund.

Darauf die Kröt', aus gutem Grund

dem braven Manne brachte bei,

okkulte Kunst und Zauberei.

74. Gemeinsam zieh'n seit jener Zeit

durch Japan sie in Zweisamkeit.

Wir mögen beide und sind stolz

wenn uns gehört das Wurzelholz,

auf dem die beiden weiterleben.

Ich möcht’ per Bild sie weitergeben,

zeigen den Sennin, jenen Frommen

wie er auf den Frosch gekommen.

Die nächste Zeichnung zeigt es schon:

75. Wie ein König auf dem Thron

sitzt er stolz und obenauf.

Spricht zur Kröte: "Mach' schon, lauf'".

Als nächstes hab' ich ausgewählt

was mir in Japan wurd' erzählt.

In Lyrik eine alte Fabel,

treffend und recht amüsabel.

Gaga-naku, Quak-quak

"In alter Zeit ein Kaeru

rief "Gaga-naku" immerzu.

Da kam Frau Gama an den Teich

und lud ihn ein zu einer Laich'.

Nach einer kurzen Weil' der Ruh'

rief er erneut "Gaka-naku".

Frau Unke hat das gern gehört.

Er schwieg als sie ihn hat betört.

Doch bald darauf, nach kurzer Ruh'

quakte erneut der Kaeru.

Die Kröte hat den Ruf vernommen

und ist zu ihm sofort gekommen.

Was sie mit ihm im Teich gemacht

hat ihn zum Schweigen schnell gebracht.

Als Frau Hikigaeru ging

erneut zu quaken er anfing.

Das drang der alten Hepp ins Ohr.

Sie nahm den Sänger sich drauf vor.

Sie balgte sich mit ihm im Gras,

dass er zu quaken ganz vergaß.

Vom Balgen müde der Filou

gönnte sich 'ne kurze Ruh'.

Die währte freilich nicht sehr lang.

Erneut erschallte sein Gesang.

Das hat der Adebar gehört.

Den hat das "Ga-naku" gestört.

Er schlich sich an und schnappte zu.

Da war am Teiche endlich Ruh'."

Frosch oder Kröte? Geschmacksache.

Schwer fiel es mir, mich zu entscheiden,

welchen besser ich mocht' leiden,

denn von den Lurchen, das ist wahr,

ich hin- und hergerissen war.

An den Frosch, den schlanken schönen,

konnt' ich mich recht schnell gewöhnen,

wenn er mutig sich im Grün

eines Lotos zeigte kühn,

aufrecht sitzend, voller Stolz,

geschnitzt als ein Netsuke- Holz.

Doch von dem dicken, feisten Kröter,

der wie der Frosch, als Schwerenöter

zeigte sich oft gern mit Braut,

war ich nicht so sehr erbaut.

Gar gruslig wirkt beim Rendezvous

das Liebespaar Hikigaeru.

Es ist nicht jedermanns Geschmack,

dieses glitschig feuchte Pack.

Doch lasst, bevor ich euch berichte,

erst erzählen die Geschichte,

die ich in einem Buche fand,

worin sie aufgeschrieben stand.

Märchenhaft

Ein Frosch, vom Fernweh sehr geplagt,

hat sich einst hoch hinausgewagt,

an einem Tage, klar und schön,

um sich Kyoto anzuseh'n.

Als er schließlich aufgebrochen,

zur Reise, die geplant seit Wochen,

hoch oben auf dem Berge stand,

er einen Artgenossen fand.

Der, so steht es aufgeschrieben,

von dem Gedanken wurd' getrieben,

einmal auf dem Berg wollt' steh'n

um sich Osaka anzuseh'n.

Was den beiden zugestoßen

auf den Berg, dem hohen, großen,

wisst ihr alle sicher doch

bestimmt aus eurer Kindheit noch.

Doch was soll ich mich hier quälen,

euch in Reimen zu erzählen,

wenn viel besser, was gewesen

Ist in Prosa heut' zu lesen.

Die beiden Frösche

"Die Frösche auf der Wanderschaft"

erzählt uns nun ganz meisterhaft

D. Braun, der tot und dennoch heut'

mit seiner Fabel uns erfreut.



Die beiden Frösche auf Wanderschaft

"Es waren einmal zwei Frösche, von denen der eine ganz nahe bei der Küstenstadt Osaka in einem Graben, der andere dicht bei der schönen Hauptstadt Kioto in einem klaren Bach wohnte. Beide kamen auf den Gedanken, eine Reise zu machen, und zwar wollte der Frosch, der in Kioto wohnte, sich einmal Osaka ansehen, und der andere, der in Osaka wohnte, hatte Sehnsucht, die Kaiserstadt Kioto, wo der Mikado residierte, zu besuchen. Ohne dass sie sich kannten oder auch nur voneinander gehört hatten, machten sich daher beide zu derselben Stunde auf den Weg und begannen ihre mühsame Wanderung. Die Reise ging nur langsam vonstatten, denn ein Berg, dessen Höhe die Hälfte des Weges war, musste überschritten wird, und diesen Berg zu erklimmen, war für die Frösche ein mühsames Stück Arbeit. Doch endlich war die Spitze erreicht, und siehe da, beide trafen sich, glotzten sich im ersten Augenblick einander an und fingen dann an, sich zu unterhalten. Als nun einer dem anderen den Beweggrund seiner Reise mitteilte, da lachten sie beide vor Vergnügen, setzten sich zusammen in das hohe Gras und beschlossen, erst ein wenig auszuruhen, ehe sie sich trennten. "Wenn wir nur größere Tiere wären", sprach der eine,"dann könnten wir von hier aus beide Städte sehen und könnten schon jetzt beurteilen, ob es sich der Mühe verlohnt, noch weiter zu wandern." "O, dem ist abzuhelfen", entgegnete der zweite, "wenn wir das Ziel unserer Reise von hier aus sehen wollen, so können wir uns aneinander aufrichten, und jeder blickt nach der Stadt hin, die er noch nicht kennt." Dieser Vorschlag leuchtete dem anderen gewaltig ein, und gesagt, getan, die beiden kleinen Kerlchen stellten sich auf ihre langen Hinterfüße und hielten sich mit den Armen umschlungen, damit sie nicht umfielen. Der Frosch, welcher aus Kioto kam, richtete seine Nase nach Osaka zu, und der, welcher aus Osaka kam, wandte die seine nach Kioto. Und so standen sie da, ganz steif, still und versunken in ihre Betrachtungen. Nun hatten die dummen Frösche aber gar nicht bedacht, dass ihre großen Augen, wenn sie den Kopf so hoch in die Luft reckten, wie sie es taten, auf dem Rücken lagen und nach rückwärts blickten, und dass sie daher beide ihre eigene Heimat und die Stadt, von wo sie ausgegangen waren, zu Gesicht bekamen. "Ach, was sehe ich?" rief der Frosch aus Osaka; "ich kann mir den Weg ersparen!" Und ganz dasselbe sagte der Frosch aus Kioto, und wie beide zu dieser Erkenntnis gekommen waren, da ließen sie einander los, und plumps! fielen sie in das Gras. Dann machten die beiden Frösche eine Verbeugung, sagten einander Lebewohl und wanderten heim. Bis an ihr Lebensende haben sie geglaubt, dass die Städte Kioto und Osaka, die doch so grundverschieden sind, einander so ähnlich wären, wie ein Ei dem anderen, und nie haben sie ihren Irrtum, der aus ihrer Dummheit entsprang eingesehen."

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